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Mensch, Tier & Natur im Einklang

von Viola Krauss | Foto von Susanne Weimann


Traditionell für die Zukunft

Der Arche-Hof Birk in Weitnau


Obwohl sich das Wetter an diesem Nachmittag eher grau in grau zeigt, ist es im Kuhstall des Arche-Hofs Birk hell und friedlich. Einige der dunkelbraunen Kühe sind am Futtertisch und kauen zufrieden am Heu. Andere stehen im großzügigen Laufstall wie Freundinnen beim Kaffeeklatsch beieinander, etliche liegen entspannt im Ruhebereich und käuen wieder. Wolfgang Birk ist im Stallgang und lässt den Blick zufrieden über seine Milchkühe schweifen. Er ruft nach „Krokus“. Es dauert nur ein paar Augenblicke, dann kommt ein Bilderbuch-Exemplar nach vorne an den Futtertisch. Unter den Plüschohren und den elegant geformten Hörnern schauen die dunklen, seelenvollen Augen aus einem munteren Gesicht. Offen und gelassen wartet das Original Allgäuer Braunvieh ab, was die Menschen vor ihr wollen beziehungsweise was passiert. Der Agraringenieur tätschelt „Krokus“ kurz und erzählt von den Vorzügen der alten und erhaltenswerten Zweinutzungsrasse. Barbara und Wolfgang Birk haben sich auf die Haltung von vom Aussterben bedrohten heimischen Haustierrassen spezialisiert. Sie bewirtschaften bei Hellengerst auf 900 Meter Meereshöhe zusammen mit einem Azubi 72 Hektar Betriebsfläche. Drei Hektar davon sind im Vertragsnaturschutzprogramm.


Rund 50 Kühe der Zweinutzungsrasse „Original Braunvieh alter Zuchtrichtung“, eine 40-köpfige Jungviehherde, 20 braune Bergschafe und Hühner der vom Aussterben bedrohten Rasse „Augsburger Huhn“ bevölkern den Arche-Hof. Eine Ziege und ein Muli ergänzen die Tierschar. Ein Teil der Milch wird auf dem Hof zu Käse verarbeitet und zusammen mit Fleisch und weiteren eigenen Produkten direkt vermarktet. Der Hof ist Mitglied im Bioland-Verband. Kühe und Jungvieh haben von Frühjahr bis Herbst reichlich Auslauf auf der Weide. Die hofeigenen artenreichen Wiesen sind die Grundlage für die Versorgung der Tiere. Reichlich Bewegung unter freiem Himmel haben auch die Legehennen, denn sie sind während der gesamten Vegetationsperiode tagsüber draußen unterwegs und picken frisches Gras, Würmer, Insekten und Körner. Die gemähten Niedermoore auch Streuwiesen genannt, bieten den hofeigenen Bienen ebenso wie ihren wilden Verwandten, aber auch Faltern, Libelle und Co. einen reichhaltigen Lebensraum. Eine Streuobstwiese rundet die naturnahe Gestaltung des Hofraumes ab. Das Obst landet natürlich auf beziehungsweise in den Kuchen, die die gelernte Technikerin für Hauswirtschaft und Ernährung im Hofcafé anbietet.


Für die Zukunft weitergedacht

Das Ehepaar denkt über die reine Produktion und Vermarktung ihrer Bio-Lebensmittel hinaus. Sie investieren in Naturschutz und Grundlagenarbeit, ebenso wie in verschiedene Netzwerke und Projekte. Erlebnisführungen für Klein und Groß machen das Leben auf einem Bio-Bauernhof greif- und nachvollziehbar. Immer freitags ist der Hofladen mitsamt Café geöffnet. Dort vertreiben Birks hofeigenen Käse, Eier, Wurst, Fleisch und Felle. Aber auch Produkte anderer Betriebe und Künstler werden angeboten, die mit Rohstoffen vom Arche-Hof neue Erzeugnisse wie Nudeln, Woll- und Filzprodukte, Ledertaschen, Schmuck und anderes herstellen.


Interview


Leidenschaft für Landwirtschaft

Das Ehepaar Birk gehört zu den Menschen, die ihre Idee von einer sinnvollen, ökologischen und nachhaltigen Landwirtschaft leben – trotz Widerstände und Rückschläge. GUATS wollte genauer wissen, was das Ehepaar antreibt, woher die Technikerin für Hauswirtschaft und Ernährung und der Agraringenieur die Leidenschaft nehmen und was ihnen wichtig ist.

Die Fragen für GUATS stellte Viola Krauss.

GUATS: Meist bedeutet die Bewirtschaftung nach Bio-Richtlinien weniger Verdienst. Warum ist es Euch das wert? Barbara Birk: Für uns ist der „biologische Weg“ eine Lebenseinstellung. Uns begleitet der Gedanke auf biologische Bewirtschaftung umzustellen schon sehr lange. Wir haben unseren Stall 2002 schon den Richtlinien entsprechend gebaut, den Schritt auf Bio umzustellen aber erst später gewagt. Der Aufwand bei der biologischen Bewirtschaftung beziehungsweise Produktion ist höher. Es kommen zwar hochwertigere Lebensmittel dafür in geringerer Menge raus. Dafür haben wir aber bessere Preise. Das heißt, dass wir durch die höhere Qualität mehr pro Lebensmittel verdienen. Damit gleicht es sich wieder etwas aus.


Warum ist Euer Betrieb ein Arche-Hof beziehungsweise warum habt ihr alte Nutztierrassen gewählt?

Barbara Birk: Auf unserem Hof war schon immer das Allgäuer Original Braunvieh beheimatet. Am Anfang nach der Betriebsübernahme 1998 hatten wir immer ein bis zwei Kühe dieser ursprünglichen Rasse – zunächst mehr als Hobby. Als wir uns aber immer mehr dem Bio-Gedanken verschrieben haben, ist uns aufgefallen, dass diese Kühe robuster, genügsamer und dem Standort besser angepasst sind. Außerdem ist es eine Zweinutzungsrasse. Das heißt, sie liefert Milch und Fleisch. Da wir so weit ab vom Schuss wohnen, lag zudem der Selbstversorgergedanke sehr nahe. Deshalb wollten wir Hühner halten. Da lag es nahe, auch eine alte Rasse wie das Augsburger Huhn auszusuchen. Und auch Schafe und die Verarbeitung von Wolle fand ich immer schon interessant, also haben wir uns braune Bergschafe angeschafft. Damit hatten wir drei gefährdete Nutztierrassen und so die Voraussetzung für den Arche-Hof. Das Konzept eines Archehofes hat uns als Alleinstellungsmerkmal sehr gut gefallen.


Warum betreibt ihr Direktvermarktung?

Wolfgang Birk: Nachdem wir auf bio umgestellt haben, kamen immer wieder mal Anfragen, ob wir nicht selber vermarkten. Dazu kam, dass die männlichen Kälber vom Original Braunvieh sozusagen auf dem Fleischmarkt untergegangen sind und wir trotz besserer Fleischzunahme nicht mehr Geld vom Viehhändler bekommen haben. Das waren der Anstoß und unsere Anfänge. Wichtig ist uns mittlerweile, dass möglichst viel Wertschöpfung am Hof bleibt. Mit unserem Arche-Hof-Konzept versuchen wir besondere und hochwertige Produkte zu produzieren. Da wir kein Hochleistungsbetrieb sind, fallen geringere Mengen an. Ohne die Direktvermarktung würden unsere Produkte in der Masse verschwinden. Durch die höhere Qualität und den direkten Verkauf, können wir unsere Preise selbst gestalten und haben keinen Zwischenhändler, der auch noch daran verdient.


Ihr habt mittlerweile etliche Jahre Erfahrung mit ökologischer Landwirtschaft. Würdet Ihr heute neu starten, würdet Ihr nochmal alles genau so machen?

Wolfgang Birk: Ja.


Was bedeutet für Euch Respekt vor Natur und Tier?

Barbara Birk: Wir versuchen nachhaltig zu wirtschaften. Ein Hof, ist eine Generationensache: Für eine gewisse Zeit bekommt man dieses Stück Natur beziehungsweise Land anvertraut. Wir möchten den Hof der nächsten Generation in bestmöglichen Zustand überlassen und sehen uns in der Pflicht Bestehendes zu erhalten und auch weiterzuentwickeln, damit der Hof zukunftsfähig ist und bleibt. Wolfgang ist zum Beispiel bei dem Projekt „KuhproKlima“ dabei. Wichtig ist uns im Kreislauf zu wirtschaften. Das heißt, dass wir möglichst wenig zukaufen. Wir beziehen kein Kraftfutter, sondern nur kleine Mengen Weizen zum Beispiel. Wichtig ist uns auch: Wenn ein Tier schon sein Leben für uns lässt, möchten wir, dass möglichst viel davon verwertet wird.


Ihr bietet neuerdings auch Hundefutter an. Warum?

Barbara Birk: Manche Sachen, zum Beispiel Schlund und Gurgel, kann man als Mensch nicht gut essen und manches wie beispielsweise ein Teil der Innereien ist nicht mehr so gefragt. Vor diesem Hintergrund ist die Idee mit dem Hundefutter entstanden.


Was wünscht Ihr Euch für Euren Hof für die Zukunft?

Wolfgang Birk: Wir wünschen uns Kunden, die unser Arche-Hof-Konzept und den damit verbundenen Respekt für unsere Arbeit mit ihrem Kauf mittragen. Dabei wäre es schön, so viele Kunden zu haben, dass wir möglichst alles direkt ab Hof verkaufen können.


Infos und Bestellmöglichkeiten unter:

www.bio-birk.de, archehof@bio-birk.de,

Wolfgang und Barbara Birk,

Helingerstr. 9 in 87480 Weitnau-Hellengerst


Wer sich noch eingehender mit bestimmten erwähnten Aspekten und Themenbereichen beschäftigen möchte, wird hier fündig:

Original Allgäuer Braunvieh (OBV): www.originalbraunviehzuchtverein.de

Archehof-Konzept: www.g-e-h.de

Projekt Kuhproklima: www.kuhproklima.de