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Der Kräuterveredler

Aktualisiert: Apr 29

von Viola Krauss | Foto von Susanne Weimann

Die Kräuter-Alp von Michael und Gerda Schneider liegt inmitten der Allgäuer Nagelfluhkette auf 1300 Meter neben dem Alpengasthof Hörmoos. Wie es sich für eine Alpe gehört, wird dort Weidevieh gesömmert. Doch diese Alpe ist etwas Besonders: Denn sie besitzt einen Kräuter-Schaugarten und im Haus steht die höchstgelegene Destille des Allgäus. Dort verarbeitet der Brenner und Edelbrandsommelier nur Kräuter aus eigenem Anbau und selbst gesammelten Wildwuchs zu edlen Tröpfchen nach Bioland-Richtlinien.

Die Fragen für Guats stellte Viola Krauss


Guats: Was war zuerst da, die Lust sich mit Kräutern und ihrer (Heil)wirkung zu befassen oder Brenner zu werden und gute - im wahrsten Sinne - ausgezeichnete Tröpfchen zu brennen?

Michel Schneider: Ich bin auf der Hörmoos geboren und mit unserer Land- und Gastwirtschaft aufgewachsen. Da hat man schon als junger Mensch ganz selbstverständlich mit Kräutern zu tun. Auch später hab‘ ich mich für Heil- und Würzpflanzen interessiert, habe einen Heilpflanzenkurs bei Artemisia gemacht, und auch die Ausbildung zum Naturparkführer. Zudem haben wir uns überlegt, was wir im Winter machen, wenn kein Vieh da ist.

Was war der Auslöser, um mit der Kräuter-Alp einen Traum zu verwirklichen?

Als ich die Wirtschaft 2002 an meinen jüngeren Bruder Klaus übergeben habe, habe ich von jemand anderem ein Brennrecht übernehmen können und so hat dann alles zusammengepasst.

Du bist eher für deine Brennereiprodukte denn für Deine Kräuter bekannt. Geht das für Dich Hand in Hand?

Ja, klar. In meinen Destillaten, Likören und Bitter sind fast ausschließlich Kräuter drin. Man merkt’s auch an den Namen, wie zum Beispiel bei den Destilaten “Meisterwurz“, „Melissenspirit“ oder „Engelwurz“ oder beim Vogelbeer-Likör.

Was war die Motivation für Euren Schaugarten?

Ich hab‘ die Pflänzle im Garten und am Weg entlang gepflanzt. Dort sind sie gut gediehen. Immer wieder bin ich von Wanderern und Kunden gefragt worden, wie welche Pflanze heißt. Da hab‘ ich irgendwann angefangen, Schilder zu machen und den Namen der Pflanze drauf zu schreiben. Zudem möchte ich gerne die Fähigkeiten der Pflanzen vermitteln. Mittlerweile gibt es um die 200 Schilder.

Als was würdest Du Dich selbst bezeichnen? Als Brenner? Als Kräuterkundiger? Oder als etwas ganz anderes?

In erster Linie als Brenner. Im Sommer haben wir auch Vieh auf der Alpe, um das ich mich kümmere, damit bin ich auch Älpler. Aber bei Kräutern lernt man nie aus, daher ist Kräuterkundiger nicht ganz der richtige Ausdruck.

Was ist dein wichtigstes Produkt? Gibt es unter Deinen Produkten einen Liebling und wenn ja warum?

Ganz wichtig sind die unterschiedlichen Kräuterliköre, so zum Beispiel das Herzenselixier oder der FrauenGut-Likör. Der Enzian ist was ganz Besonderes, der passt zu mir und zum Allgäu. Und seit neuestem haben’s mir auch der Gin und der Absinth angetan.

Woraus beziehst Du Deine Inspiration?

Das kommt meist einfach so, ist wohl Intuition. Ein wichtiger Impuls für meine Gins war Monkey 47 von Alexander Stein und Christoph Keller.

Warum liebst Du, was Du tust?

Es tut einfach gut in der freien Natur und sein eigener Herr zu sein.

Was wird für Dich in den nächsten 2 bis 3 Jahren wichtig - bezogen auf Deinen Beruf? Muss was besser oder geändert werden?

Im Moment passt alles. Uns geht es nicht schlecht. Mein Neffe Lukas hilft ganz gern bei mir mit, in der Brennerei, beim Kräutersammeln und beim Vieh. Und es sieht momentan so aus, als würde er das Ganze einmal übernehmen. Das wäre Balsam für mich.



Weitere Infos und Kontaktdaten: www.kraeuteralp.de